Wir freuen uns sehr, einen neuen Künstler in der Galerie zu begrüßen. Ab 15. Mai stellen wir rund 15 Werke des in München arbeitenden Fotografen Daniel Kraus aus. Ausgehend von Einzelaufnahmen von städtischen Architekturen, Pflanzen und Objekten erschafft er mit den digitalen Mitteln der Spiegelung, Drehung und Überlagerung völlig neue Formen und Bildwelten. Was auf den ersten Blick spielerisch erscheint, wie ein digitaler Trick, um uns die Welt aus einer anderen Perspektive zu zeigen, ist in Wahrheit ein akribischer Prozess der Aneignung und Metamorphose, bei dem der Künstler die ursprüngliche Fotografie inhaltlich umdeutet und zu einem Symbol für etwas ganz Neues und Artfremdes macht.
In New York, London, Lissabon, Venedig und München entdeckte Daniel Kraus Bürohäuser, barocke Kirchen, Brücken - spannende urbane Situationen für seine Transformationen. Hinter der Wahl seiner Motive steckt jedes Mal eine intellektuelle Erwartungshaltung im Hinblick auf das mögliche Ergebnis. Manchmal ist es das Detail einer Fassade, manchmal ein berühmtes Monument wie das Flatiron Building, das ihn fesselt. In seiner Arbeit ‚The Visitor‘ verwandelt der Künstler dieses Wahrzeichen von New York mit seiner schlanken, in den Himmel strebenden Silhouette durch wenige formale Eingriffe in ein monumentales Raumschiff, das sich wie in einem Science Fiction Film unaufhaltsam auf den Betrachter zuzubewegen scheint. Die an sich neutrale Architekturfotografie gewinnt eine überraschend cineastische Wirkkraft und Dynamik, und auch die ikonographische Lesart ändert sich grundlegend vor dem Hintergrund neuer Assoziationsketten zu Blockbustern wie ‚Independence Day‘ und ‚Interstellar‘. Das Flatiron Building zeigt sich nach Daniel Kraus Anverwandlung nicht mehr nur als Ikone moderner amerikanische Hochhausarchitektur, sondern als ein Symbol für den amerikanischen Patriotismus auf der Kinoleinwand.
Durch Spiegelungen verändern sich die Proportionen. Elemente geraten ins Bildzentrum, die ursprünglich eine Nebenrolle spielen wie in seinem Werk ‚Stations‘, das wir als Motiv für die Einladungskarte gewählt haben. Daniel Kraus arbeitet in Serien. Alle Werke basieren auf einer selektiven und auf Strukturen konzentrierten Betrachtung der Umgebung. In jeder einzelnen Arbeit geht es um die Freiheit, aus den Gegebenheiten, neue Formen zu erschaffen und ikonographische Inhalte zu überdenken.